Aktuell
Europäische Versammlung am 04./05. September in Brüssel
Bericht von der Arbeitsgruppe über die Versammlung der sozialen Bewegungen
Die Versammlung der sozialen Bewegungen
ist Teil des Prozesses des Europäischen Sozialforums. Sie wird in London am Sonntag
vormittag, dem 17.Oktober, stattfinden. Auf der Vorbereitungsversammlung für das ESF in
Brüssel, am 4. und 5.September, hat sich eine Arbeitsgruppe zusammengesetzt, um die
Versammlung der sozialen Bewegungen vorzubereiten.
Nach zwei Ausgaben des ESF können wir
anfangen eine Bilanz zu ziehen von dem was wir mit der Versammlung der sozialen Bewegungen
aufbauen wollten.
Das ESF hat seine Rolle erfüllt, ein
Raum für Debatten und Auseinandersetzungen zwischen den Kräften zu sein, die sich dem
Neoliberalismus widersetzen. Es beginnt auch, die Erarbeitung von Alternativen zu
ermöglichen. Aber die dritte Funktion, die die Charta von Porto Alegre den Sozialforen
zuschreibt, nämlich die, eine Stütze für den Aufbau von sozialen und
bürgerschaftlichen Mobilisierungen zu sein, wurde nur sehr mangelhaft umgesetzt. Die
Versammlung der sozialen Bewegungen in Florenz hat erlaubt, die große weltweite
Demonstration gegen den Krieg am 15.Februar 2003 zu lancieren; die in Paris/St.Denis hat
ermöglicht, eine Agenda von Aktionen zusammen zu tragen. Aber wir waren bisher nicht in
der Lage, einen Mobilisierungsprozess gegen das europäische neoliberale Modell
anzustoßen, uns der wirtschaftlichen und sozialen Fragen anzunehmen oder gar ein
Kräfteverhältnis aufzubauen, das uns erlauben würde, in der europäischen Politik
Gewicht zu haben. In diesen Fragen müssen wir einen qualitativen Schritt vorwärts
kommen.
In der Debatte wurden zwei Sorten von
Vorschlägen gemacht.
Die erste betrifft die Einrichtung von
drei Arbeitsgruppen: zum Krieg, zur EU-Verfassung, zu den wirtschaftlichen und sozialen
Fragen.
Die Arbeitsgruppe zum Krieg soll nicht
nur über Aktionstage, sondern vor allem auch darüber diskutieren, welche Antworten die
Bewegung geben kann.
Die Arbeitsgruppe zur Verfassung soll
sich darum bemühen, eine gemeinsame Stellungnahme zu formulieren, trotz der
unterschiedlichen Auffassung, die es über diese Frage gibt. Die Erklärung der
Versammlung der sozialen Bewegungen in Paris/St.Denis hatte formuliert: Der
Verfassungsentwurf entspricht nicht unseren Vorstellungen. Wir müssen sehen, ob wir
jetzt weiter gehen können.
Die Arbeitsgruppe zu den wirtschaftlichen
und sozialen Fragen soll Alternativen zur neoliberalen Politik in Europa erarbeiten.
Diese Arbeitsgruppen sollen so schnell
wie möglich eingerichtet werden, spätestens und in jedem Fall auf dem ESF in London.
Die zweite Sorte von Vorschlägen betraf
die Mobilisierungsvorschläge für das Jahr 2005. Folgende Daten wurden
herausgestellt:
2.Oktober 2004:
Großdemonstrationen in den Niederlanden, aufgerufen von den Gewerkschaften und vom
Bündnis Ker het Tij; in Deutschland wird für denselben Tag eine bundesweite
Demonstration geplant;
Ende Oktober: Anläßlich der
feierlichen Unterzeichnung des Verfassungsvertrags durch die Staats- und Regierungschefs
wird es eine große Mobilisierung in Rom geben; Initiativen in anderen Ländern können
ins Auge gefaßt werden;
9.November: Internationaler
Aktionstag gegen den Mauerbau in Palästina;
10.Dezember: Internationaler
Aktionstag zu Palästina;
Februar 2005: Mobilisierung gegen
den NATO-Gipfel in Nizza;
Juli 2005: Großmobilisierung
gegen den G8-Gipfel in Schottland gegen Krieg und Neoliberalismus; Folgemobilisierung von
Genua 2001 und Genf/Annemasse 2003.
Darüber hinaus gab es Übereinstimmung
über die Notwendigkeit, eine gemeinsame Initiative der Bewegungen gegen das europäische
neoliberale Modell zu ergreifen für ein soziales und demokratisches Europa,
das seinen Bewohnerinnen und Bewohnern mehr Rechte gibt. Eine solche Initiative könnte
mit dem EGB diskutiert werden, dessen Generalsekretär John Monks in seiner
Begrüßungsrede an die Teilnehmenden der Vorbereitungsversammlung für das ESF in
Brüssel gesagt hat: Wir müssen uns einander annähern und sehen, was wir gemeinsam
machen können. Diese Erklärung sollten wir ernst nehmen und sie in die Praxis
übersetzen.
Eine gemeinsame Initiative könnte
anläßlich des EU-Gipfels der Staats- und Regierungschefs im März in Brüssel
stattfinden. Dieser Gipfel ist besonders deshalb bedeutend, weil er zur Halbzeit der
Agenda von Lissabon stattfindet, die ja bis 2010 die EU zur
wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Region der Welt machen will. Er wird
über die großen wirtschaftspolitschen Orientierungen diskutieren. Er ist also der
geeignete Moment für eine starke soziale und bürgerschaftliche Mobilisierung.
Ein erster Entwurf für einen
entsprechenden Aufruf der Versammlung der sozialen Bewegungen in London, der diese Punkte
aufgreift, wird in den nächsten Tagen versandt werden, damit er in den verschiedenen
Organisationen noch vor London diskutiert werden kann.
i.A. Pierre Khalfa, Paris 08.09.2004
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